Glas, 822 x 255 cm
Die Frage, wie groß das Hauptrestaurant der Akademie nun eigentlich ist, kann man unterschiedlich beantworten. 2001 löste die Akademie kreativ das Problem, wie man das Restaurant, je nach Anzahl oder auch Zusammensetzung der Gäste, einfach in zwei unterschiedlich große Flächen unterteilen könnte – durch eine speziell für sie angefertigte mobile Glaswand. Künstlerisch natürlich, und mit Europabezug. Durch Verschieben dieser Wand entsteht das Restaurant Lorraine als kleinerer, vom Hauptrestaurant abgeteilter Saal für die Gäste. Die Gestaltung übernahm Thierry Boissel, ausgeführt wurden die Arbeiten von der „Gustav van Treeck – Bayerische Hofglasmalerei“ aus München.

„Es liegt mir am Herzen, ein Werk zu schaffen, das nicht beliebig einsetzbar ist. Die Kunst soll vielmehr vorwiegend an ihrem Bestimmungsort einen Sinn ergeben", so Thierry Boissel. Die Glaswand im Restaurant verdeutlicht sofort, was er damit meint. Sie symbolisiert die Literatur, die Musik, die Bildenden Künste und die Architektur in einem europäischen Zusammenhang. Die Literatur ist durch horizontale Lichtlinien rhythmisch dargestellt. Die Striche geben die Wortlänge der Ode an die Freude (= „Europahymne“) wieder. Die im Text integrierten Punkte stehen für die wichtigsten Städte Europas. Die Noten entstammen dem Vorspiel zur „Ode an die Freude". Für die Bildenden Künste dienten als Vorlage die Skizzenbücher von Leonardo da Vinci. Stellvertretend für die Architektur steht eine grafische Darstellung der Brücke zwischen Honfleur und Le Havre in der Normandie. Sie ist Symbol für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, die Verständigung, den Dialog und die Zusammenarbeit unter den Völkern, wie sie auch von der Akademie stets gefördert werden.

Thierry Boissel (*1962 in Saint-Valéry-en-Caux, Frankreich) studierte Wandgestaltung und Glasmalerei. Seit 1991 leitet er die Studien- & Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht & Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste München, wo er als engagierter, kenntnisreicher und beliebter Lehrer arbeitet. Durch Aufträge, Auszeichnungen, Ausstellungen und Wettbewerbe gewann er als eigenwilliger und entwicklungsfähiger Künstler der jüngeren Generation Profil. Seine Arbeit bewegt sich in einer Traditionslinie der Moderne, die von ‚Arts and Crafts‘ über das Bauhaus zu zeitgenössischen Aufgaben von ‚Kunst am Bau‘ führt, wo er gerade bei komplexen Vorgaben zu frischen und eleganten Ergebnissen findet. (zitiert aus „Zeitgenössische Glasmalerei – Zu Werken von Thierry Boissel“, Prof. Thomas Zacharias, München, 1996)