Bronzeskulptur, 68 x 64 x 26 cm
Europa und der Stier – der Mythos, der unserem Kontinent seinen Namen gab und auch manchmal vereinfachend für die Europäische Union verwendet wird, darf natürlich in der Kunstsammlung der Europäischen Akademie Otzenhausen nicht fehlen. Die Vorlage für diese Bronzeskulptur entstand bereits in den 1970er Jahren und hat bis heute nicht an Aktualität eingebüßt: Europa ist allgegenwärtig. Richoffs Stier stürmt kraftvoll und dynamisch nach vorne, nichts kann ihn aufhalten. Die weibliche Figur auf seinem Rücken wird von dieser Dynamik fortgerissen und scheint über seinem Körper zu schweben. Sie hält eine Banderole mit 27 Durchbrüchen, die für die Anzahl der EU-Mitgliedsstaaten stehen.

Vom Vasenbild aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis – wie hier – zu einer expressionistisch gestalteten Skulptur wurde das Motiv häufig in der europäischen Kunst verwendet. Es geht auf die griechische Sagenwelt zurück, nach der sich der oberste Gott Zeus in die Königstochter Europa verliebte. Um sie für sich zu gewinnen, entführte er sie in Gestalt eines Stiers nach Kreta. Aufgrund einer Verheißung der Göttin Aphrodite wurde der Kontinent nach dieser Prinzessin benannt.

Richoff (Richard Hoffmann, *1930 in Lebach, Deutschland) fertigte zwischen 1963 und 1983 zahlreiche Skulpturen aus Bronze und Steinguss, von denen viele auch heute noch als Kunst im öffentlichen Raum in verschiedenen Orten im Saarland zu sehen sind. Nach 1983 legte er erneut einen Schwerpunkt auf die Malerei, wobei ihn insbesondere die Natur und Tiere faszinierten. Ab 1987 wandte er sich der zelltektonistischen Kunst zu. Zwischen 1969 und 1989 war er außerdem als Kunstpädagoge tätig. Er lebt und arbeitet in Lebach.