Druck, 102 x 82 cm
„Der Raub der Europa“ – der Mythos, der unserem Kontinent seinen Namen gab und auch manchmal vereinfachend für die Europäische Union verwendet wird, darf natürlich in der Kunstsammlung der Europäischen Akademie Otzenhausen nicht fehlen. Dabei waren die Länder Europas 1933 von einem friedlichen Zusammenleben meilenweit entfernt, da mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten der Weg in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs sehr konkret begann. In diesem Schicksalsjahr fiel auch Max Beckmann, der seit 1925 Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main gewesen war, der „neuen Zeit“ zum Opfer. Er reagierte auf seine fristlose Entlassung 1933 und seine Vertreibung aus Frankfurt mit drei charakteristischen Aquarellen, eines davon „Der Raub der Europa“. Europa stellt er als verzweifelte Frau dar, die ohnmächtig und fast wie eine Gefangene über dem Stierrücken hängt und keinen Einfluss darauf hat, wohin das aggressive, bedrohliche Tier sie tragen wird. Beckmann, der die Entwicklung auf seine Art kommentiert und vorwegnimmt, war einer der geächtetsten Künstler im Dritten Reich und in der Ausstellung „Entartete Kunst“ sehr prominent vertreten („Entartete Kunst“ = im Dritten Reich: Ausstellung moderner Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten diffamiert wurden).

Max Beckmann (*1884 in Leipzig, heute Deutschland, †1950 in New York, USA) war Maler, Grafiker, Bildhauer, Zeichner, Porträtist und Professor. Er nahm als Sanitätshelfer am Ersten Weltkrieg teil, gab aber dort keinen einzigen Schuss ab und fasste seine Kriegserlebnisse in bedrückenden Zeichnungen zusammen. 1915 erlitt er einen Nervenzusammenbruch. Bei den Nationalsozialisten war er verfemt und immigrierte 1947 in die USA, wo er kurz nach seiner Ankunft seine Lehrtätigkeit wiederaufnehmen konnte und auch weiterhin Ausstellungen zeigte. Beckmanns eigener, figurenstarker Stil ist inspiriert von der Moderne, dem Kubismus und auch von Pablo Picasso.