Ölgemälde, 96 x 75 cm
Adolf Bender ließ sich in seinen Gemälden sowohl vom Impressionismus als auch vom Expressionismus beeinflussen. Dieses Bildnis eines einsamen Weilers trägt stark impressionistische Züge: fünf kleine Häuser und ein weites Feld, im wahrsten Sinne des Wortes hingetupft. Violett, Rot, Orange und Weiß sind die tragenden Farben und verleihen dem Tageslicht und der Atmosphäre eine besondere Dimension. Sie wirkt weich, friedlich und verträumt. Dabei ist der Hintergrund dieses Bildes wenig idyllisch: Es zeigt eine Ansiedlung in der Umgebung von Papenburg im Emsland, wo sich auch das Konzentrationslager Börgermoor befand. Bender war dort interniert und malte diesen Weiler aus der Erinnerung.

Adolf Bender (*1903 in Mainz †1997 in St. Wendel, heute beides Deutschland) war Maler und ein ausgewiesener Demokrat aus der nahe gelegenen Kreisstadt St. Wendel. Mit der Europäischen Akademie Otzenhausen verbinden ihn nicht nur seine beiden Ausstellungen, die er 1962 - damals die dritte Ausstellung der Akademie - und 1985 („Die Moorsoldaten – Demokraten im KZ“) hier zeigte, sondern auch seine demokratischen Überzeugungen. Als politisch aktiver Gegner der Nationalsozialisten floh Bender nach Frankreich, wurde nach seiner Rückkehr in den Konzentrationslagern Börgermoor und Esterwegen interniert und schließlich 1941 in die Wehrmacht eingezogen. „Damit das nicht nochmal passiert“, so seine Aussage, kämpfte er nach dem Krieg mit Kunst und Bildung gegen den Faschismus. Bekannt ist sein „Moorsoldatenzyklus“, in dem er seine Erfahrungen im Börgermoor aufarbeitet. Das Adolf-Bender-Zentrum für Demokratie und Menschenrechte in St. Wendel arbeitet in seinem Sinne weiter.