Acryl auf Papier, 99 x 70 cm
"Stillleben mit Flamme" zeigt in dunklen, starken und mächtigen Farben einen Tisch mit einer Blumenvase, im Vordergrund eine Rose, die als Flamme dargestellt ist. "Die Farben haben mich begeistert," sagt Karl-Horst Hödicke über seine erste bewusste Wahrnehmung von Malerei (die Bilder der "Brücke" und des "Blauen Reiters"), als er etwa 16 Jahre alt war. Dieses Gemälde zeigt einen Aspekt seines Themenrepertoires, in dem er Momente des Randgeschehens erfasst. Absichtsvoll erscheinen diese Themen zunächst gewichtlos, "haben den Ballast des Bedeutungsvollen abgeworfen" (Heinrich Klotz) und formulieren seine Sicht auf die Dinge.
Karl Horst Hödicke (*1938 in Nürnberg, Deutschland) gilt als Vorreiter der Neuen Figuration sowie des Neoexpressionismus und beeinflusste maßgeblich die Neuen Wilden. 1957 zog er mit seiner Familie von Wien nach Berlin und nahm dort ein Studium auf, zunächst Architektur, dann Malerei an der Hochschule der Künste. Noch während seines Studiums trat er 1961 der Künstlergruppe „Vision“ bei und gründete 1964 mit anderen jungen Malern die Galerie Großgörschen 35 – darunter die heute renommierten Künstler Markus Lüpertz und Bernd Koberling. Diese Galerie war ein Experiment und eine der ersten Selbsthilfegalerien überhaupt, die Pate stand für weitere derartige Projekte. Die jungen Maler wollten ein Zeichen setzen gegen den starren etablierten Kunstbetrieb.
Hödicke wurde einer der bekanntesten Künstler Deutschlands und unterrichtete zwischen 1974 und 2005 eine eigene Malklasse an der Berliner Hochschule der Künste. Dort beeinflusste er u.a. Helmut Middendorf und Salomé, die zu herausragenden Vertretern der Neuen Wilden werden sollten und ebenfalls an der Akademie gezeigt werden. Hödicke blickt auf ein sehr erfolgreiches Künstlerleben zurück und lebt und arbeitet heute in Berlin. Seine Schwerpunkte liegen auf Malerei, Zeichnungen, Skulpturen, Objekten, Filmen, Neoexpressionismus, Prozesskunst, plastischen Experimenten und experimentellen Filmen.