Termin: 03.12.-09.12.2017

Wachsen oder weichen?

Chancen und Schwierigkeiten einer europäischen Landwirtschaft im Wandel

Ansprechpartner/in: Stéphanie Bruel

Veranstaltungsort: Europäische Akademie Otzenhausen

Zielgruppe: Junge Erwachsene in der landwirtschaftlichen beruflichen Ausbildung aus Deutschland und Frankreich

Konzeptbeschreibung:
Europas Landwirtschaft befindet sich im Umbruch und sieht sich mit vielfältigen, teils gegensätzlichen Anforderungen konfrontiert: z.B. steigendes Qualitätsbewusstsein der Verbraucher bei gleichbleibend geringer Bereitschaft höhere Kosten für Nahrungsmittel zu zahlen, Wandel der Betriebsstrukturen oder auch der steigende Rechtfertigungsdruck hinsichtlich öffentlicher Zuschüsse.

Vor diesem Hintergrund wurde die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) in den letzten Jahren wiederholt reformiert: Dem Wandel der Lebensverhältnisse in Europa wurde die GAP immer wieder angepasst. Globalisierung, Klimawandel und die Stärkung des ländlichen Raums werden das zukünftige Profil der GAP prägen. Dabei steht die Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen sozialer und ökologischer Verantwortung sowie wirtschaftlichen Notwendigkeiten für nachhaltiges unternehmerisches Handeln. Die klassische Stützung der Agrarpreise hat nahezu ausgedient. Landwirtschaft orientiert sich am Markt. Heute erhalten die Landwirte Direktzahlungen, die an Auflagen wie etwa bei der Lebensmittelsicherheit, beim Tierschutz und beim Umweltschutz gebunden sind. Zugleich profitieren über 500 Millionen Bürger und Bürgerinnen in 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union von einem vielfältigen Nahrungsmittelangebot, von einheitlichen Qualitätsstandards, geschützten Herkunftsangaben und Ursprungsbezeichnungen sowie von umfassenden Informationspflichten der Hersteller.

Die angehenden jungen Landwirte erörtern im Rahmen des Seminars u.a. die Fragen nach den Chancen und Herausforderungen der GAP-Reformen und nach den Zukunftsperspektiven und Wegen hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in einer Welt, die durch wachsende Verwendung von landwirtschaftlichen Produkten zur Energiegewinnung und durch ein steigendes Qualitätsbewusstsein der europäischen Verbraucher gekennzeichnet ist.

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt liegt in der Diskussion über eine nachhaltige Nutzung von Frischwasser, ist doch die Landwirtschaft mit Abstand der wichtigste Verbraucher des verfügbaren Süßwassers. 70% der Entnahme des „blauen Wassers” aus Wasserläufen und Grundwasser gehen auf ihr Konto, dreimal mehr als noch vor 50 Jahren. Prognosen zufolge wird der Bedarf der Landwirtschaft bis 2050 um weitere 19% wachsen. Der wichtigste Faktor ist dabei die Bewässerung. Gut 40% aller Lebensmittel werden weltweit auf künstlich bewässerten Flächen angebaut. Ferner wird Grundwasser oft durch die landwirtschaftliche Nutzung verunreinigt.
Schon länger wurde Deutschland für die Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtlinie kritisiert. Nun hat die Europäische Kommission im letzten Jahr Klage vor dem Gerichtshof der EU eingereicht, da Deutschland es bisher versäumt hat, strengere Maßnahmen gegen Gewässerverunreinigung zu ergreifen. Insbesondere in den landwirtschaftlich stark bewirtschafteten Gegenden wird vermehrt Nitrat in Boden und Grundwasser geschwemmt, da es häufig in Düngemitteln eingesetzt wird und für das Wachstum von Pflanzen von entscheidender Bedeutung ist. Durch zu viel Gülle auf den Böden gelangt Nitrat ins Grundwasser, das für den Menschen schädlich sein kann.

Welche Folgen hat dies für den natürlichen Wasserkreislauf? Welche für die Verbraucher? Wie kann das Grundwasser vor übermäßigen Nitrateinträgen geschützt, die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft reduziert werden und gleichzeitig den Landwirten die Möglichkeit gegeben werden, ihre Pflanzen bedarfsgerecht mit Nährstoffen zu versorgen? Wie wirkt sich die neue deutsche Düngerverordnung aus? Neben der gemeinsamen Suche nach Handlungsalternativen werden dies einige der Leitfragen der inhaltlichen Auseinandersetzung sein.

In diesem Zusammenhang werden die Teilnehmenden in Workshops und Diskussionsrunden ihr Verständnis einer modernen Landwirtschaft mit den Perspektiven anderer gesellschaftlicher Gruppen und Interessen konfrontieren und damit das eigene Verständnis hinsichtlich der Vielschichtigkeit und Komplexität einer gemeinsamen, nachhaltigen europäischen und globalen Landwirtschaft zu erhöhen.

Ferner schlüpfen die Teilnehmenden im Rahmen eines Planspiels zur Ausgestaltung der GAP nach dem Jahre 2020 in die Rollen von politisch Verantwortlichen unterschiedlicher EU-Mitgliedsstaaten, Vertretern der Europäischen Kommission, Landwirtschaftsverbänden, Naturschützern, Verbraucherverbänden und weiteren Lobbyisten. Ziel ist es, auf diesem Wege die Meinungsbildung und die Gestaltung von Politik im Agrarbereich besser nachzuempfinden, sowie einen Perspektivenwechsel bei den Teilnehmenden zu fördern.

Ein weiterer Aspekt soll der Vergleich der Ausbildungs-, Lebens- und Arbeitsbedingungen sein, mit dem Ziel, ein modernes Selbstverständnis als Landwirt zu entwickeln. Dabei sollen die eigenen Erfahrungen ergänzt werden durch Betriebsbesichtigungen und die Befragung von Landwirten aus Deutschland und Frankreich, die durch Diversifizierung ihrer Aktivität Alternativeinkommensmöglichkeiten wahrnehmen bzw. Alternativgeschäftsmodelle verfolgen.

Voraussetzung für den Erfolg des Seminars ist das Erwerben und Vertiefen interkultureller Kenntnisse, mit deren Hilfe die Verständigung und Diskussion während des Seminars gefördert werden soll. In binationalen Gruppen können auf diese Weise die angesprochenen Themen diskutiert und erarbeitet werden; ferner werden interkulturelle Kompetenzen im Rahmen mehrerer interaktiver Arbeitseinheiten spielerisch eingeübt werden.  Angesichts  der  Globalisierung,  der  vielfältig en  kulturellen  Einflüsse  in  unserer  Gesellschaft und einer veränderten Arbeitswelt gewinnt die Fähigkeit und Bereitschaft zu gegenseitiger  Verständigung  und  gegenseitigem  Verständnis  zunehmend  an  Bedeutung – auch in der Landwirtschaft.

Programm

Thema: Nachhaltige Entwicklung

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