Termin: 25.06. - 01.07.2017

In Vielfalt geeint! Wunsch oder Wirklichkeit in Europa?

Junge Europäer diskutieren

Ansprechpartner/in: Antje Brandt M.A.

Veranstaltungsort: Europäische Akademie Otzenhausen

Zielgruppe: Das Seminar richtet sich an die PreisträgerInnen des 64. Europäischen Wettbewerbs sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren aus Deutschland und den Ländern Europas.

Konzept:
2017 wird zum 64. Mal der Europäische Wettbewerb in Deutschland stattfinden. Daran beteiligen sich Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und Schulformen. Parallel wird der Wettbewerb in anderen europäischen Ländern durchgeführt. „In Vielfalt geeint – Europa zwischen Tradition und Moderne“ ist das Motto 2017. Kultur unterliegt ständigem Wandel und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Europäische Wettbewerb soll junge Erwachsene dazu anregen, sich auf die Spurensuche in Europas reichem Kulturschatz zu begeben und die kulturelle Vielfalt Europas zu entdecken.
Hieran soll das vorliegende Seminar anknüpfen. Die Teilnehmenden sollen sich gegenseitig ihre jeweilige(n) Kultur(en) näher bringen und so die europäische Vielfalt direkt in der Praxis erleben. Sie sollen sich in diesem Rahmen mit dem Begriff der Kultur auseinandersetzen und seine verschie-denen Aspekte kennenlernen.
Gleichzeitig soll der Satz „In Vielfalt geeint“ kritische beleuchtet werden. Ist Europa wirklich in Viel-falt geeint oder ist das eine schöne Utopie, die 2000 zum Europamotto erkoren wurde?
Europa befindet sich in einer Vertrauenskrise, die durch den Brexit ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Die Bürger sind verunsichert und wenden sich immer mehr dem Nationalstaat zu an-statt auf europäische Lösungswege zu vertrauen. Besonders eindeutig sind diesem Trend die Briten gefolgt.
Doch auch in anderen europäischen Ländern zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. In Frankreich gewinnt mit dem Front National eine Partei an Zuspruch, die möglichst wenig EU, dafür aber einen möglichst umfassenden Rückzug auf dem Nationalstaat anstrebt. Ungarn und andere (ost-)europäische Staaten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Aufnahme von Geflüchteten. Die Be-fürchtungen, dass andere Kulturen und andere Religionen, vor allem der Islam, die eigene (christli-che) Kultur untergraben oder überfordern, sind groß. Mit der PEGIDA Bewegung und dem Wahler-folg der AfD sind diese Ängste und politischen Strömungen längst in Deutschland angekommen.
Bewegt sich Europa weg, von einem „in Vielfalt geeint“ - falls es das in dieser Form jemals so gab -, hin zu einem „in Vielfalt geteilt“ bzw. hin zur Abschaffung der Vielfalt?
Mit wem sonst, als mit jungen Europäern aus verschiedenen Ländern, könnte man diese Thematik besser diskutieren.
Welche Bedeutung hat Europa und vor allem welche Bedeutung hat das Motto „In Vielfalt geeint“ für sie? Wie gestaltet sich die gesellschaftliche Debatte zu diesem Thema in ihren Ländern und wie positionieren sie sich selbst? Wie müsste ein Europa für sie aussehen, in dem das Motto „In Vielfalt geeint“ verwirklicht ist?
Ausgehend von diesen Fragenstellungen ist das Seminar wie folgt aufgebaut:

  1. Zu Beginn sollen sich die Teilnehmenden über die Bedeutung des Begriffs “Kultur“ klar werden. Denn er stellt die Basis für die weiteren Diskussionen in den kommenden Seminareinheiten dar. Zusammen mit den Teilnehmenden werden, mittels eines interaktiven Inputvortrags, die verschie-denen Aspekte des Begriffs erarbeitet. Durch ein „Kennenlernen mit Vorurteilen“ wird in das Thema „Stereotype und Vorurteile“ eingeleitet. Die Teilnehmenden sollen sich anhand von Leitfragen ge-genseitig einschätzen. Anschließend wird in der Gruppe reflektiert, mittels welcher Denkkategorien man andere Menschen einordnet und inwiefern dies anhand von Stereotypen und Vorurteilen ge-schieht. Weiterhin wird das Eisberg Modell herangezogen, um den Teilnehmenden die verschiede-nen Dimensionen von Kultur und die Herausforderungen im Umgang mit verschiedenen Kulturen aufzuzeigen. Abschließend reflektieren die Teilnehmenden durch das Rollenspiel „Insel Albatros“ ihre eigene kulturelle Wahrnehmung und lernen das Konzept der „kulturellen Brille“ kennen.
  2. An das Konzept der kulturellen Brille wird im weiteren Verlauf angeknüpft. Die Teilnehmenden bekommen die Möglichkeit,  nicht nur ihre Wahrnehmung anderer Kulturen sondern auch die Wahrnehmung ihrer eigenen Kultur zu stärken (Eigenwahrnehmung/Fremdwahrnehmung). Die Teilnehmenden werden Merkmale ihrer jeweiligen Kultur erarbeiten, diese den anderen Teilneh-menden vorstellen und mit ihnen diskutieren.
    Anschließend identifizieren sie durch die Methode „Über die Linie gehen“ Anknüpfungspunkte mit anderen Kulturen in ihrem Alltag und betrachten den Umgang mit ihnen.
  3. Im Zusammenspiel zwischen verschiedenen Kulturen kann es auch immer wieder zu Konflikten kommen. Die Gründe dafür werden mit den Teilnehmenden eingangs mit Hilfe des Eisbergmodells erarbeitet. Eine sehr aktuelle und wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang Werte. Werte sind grundlegender Teil der eigenen Kultur und Identität. In vielen Ländern Europas kommt diese prominente Rolle unter anderem in Bezug auf die Flüchtlingsthematik deutlich zum Vorschein. Viele Bürger haben Angst, dass Werte, die ihnen wichtig sind, durch den Zuzug von Neubürgern unter-graben werden oder verblassen. Nach den Ereignissen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln be-fürchteten viele deutsche Bürger, dass europäische Werte im Umgang mit Frauen von Menschen aus vor allem arabischen Kulturen nicht geteilt werden. In Polen überwiegt die Angst, dass christli-che Werte durch den islamischen Einfluss verdrängt werden. Vor diesem Hintergrund wird mit den Teilnehmenden diskutiert, was Werte bedeuten und welche Werte ihnen persönlich wichtig sind. Dabei soll aufgezeigt werden, dass es schon in einer relativ kleinen Gruppe wie der Seminargruppe schwierig ist, sich auf gemeinsame Werte zu einigen (Methode: Wertebörse). Wertediskussionen oder -konflikte und schließlich Wertewandel sind kein neues Phänomen und werden auch immer zu unserem Alltag gehören. Wichtig dabei ist zu einer gemeinsamen Lösung dieser Konflikte zu kom-men. Durch verschiedene Dilemma-Situationen können sich die Teilnehmenden in diese Thematik einarbeiten und sie diskutieren. Ausgehend von der persönlichen und alltäglichen Sicht wird in einer nächsten Einheit zur europäi-schen Ebene übergeleitet. Anhand eines interaktiven Inputvortrags wird den Teilnehmenden Raum gegeben, europäische Werte zu identifizieren sowie die Problematiken, die sich momentan europa-weit daraus ergeben, zu diskutieren.
  4. Nachdem die Teilnehmenden sich ein umfassendes Wissen über Kultur, Werte und den Umgang mit diesen angeeignet haben sowohl auf persönlicher, gesellschaftlicher als auch auf politischer Ebene, ist es an den Teilnehmenden ihre Vision eines „In Vielfalt geeinten Europas“ zu entwickeln. Wie soll ein Europa aussehen, dass diesem Motto gerecht wird? Die Teilnehmenden haben Zeit Utopien zu entwickeln und diese in kreativer Form darzustellen.

Ergänzend wird die Möglichkeit gegeben, die Thematik aus Sicht der europäischen Institutionen (Besuch im Europäischen Parlament und im Europarat) und der Bürger aus verschiedenen Ländern (Stadterkundung in Luxemburg und Straßburg) zu betrachten. Weiterhin werden die Teilnehmen-den einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem Europa der Vielfalt kennenlernen (Besuch in Schengen). Ohne das Schengener Abkommen wäre es nicht möglich in dieser Intensität länder-übergreifend und europaweit zusammenzuarbeiten, zu reisen und zu leben.

Tagungsgebühr:  
PreisträgerInnen des Europäischen Wettbewerbs ohne Gebühr
Interessierte weitere Teilnehmer: 250,00 €*
(Teilnehmerbeitrag 170,00 € inkl. 7 % anteiligen MWST; institutioneller Deckungsbeitrag 80,00 €inkl. 7 % anteilige MWST)

Programm

Thema: Europäische Werte und gemeinsame Identität

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