Material nicht spezifiziert, 50 x 50 cm
Eines vorweg: Dieser „Gallische Hahn“ ist eigentlich kein Gallier, sondern ein Römer. Genutzt wurde dieser von römischen Handwerkern gefertigte Hahn allerdings tatsächlich in Gallien - in einer dörflichen bzw. kleinstädtischen Siedlung, wo er als Massenware vor rund 2.000 Jahren entweder als Spielzeug diente oder zu einem Hausschrein gehörte. Denn nicht nur hier im Nordsaarland gibt es beeindruckende Relikte von den Kelten, die die Römer als Gallier bezeichneten (daher der Titel "Gallischer Hahn", Gallier = Bewohner u.a. Frankreichs und Westdeutschlands). Im Südosten des Saarlandes liegt an der Stelle dieses gallischen Dorfes heute der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim zwischen dem saarländischen Reinheim und dem lothringischen Bliesbruck. Dieser Archäologie-Park ist insbesondere für sein rekonstruiertes keltisches Fürstinnengrab mit reichen Beigaben, seinen römischen Vicus (eine kleinstädtische Siedlung) und seine Palastvilla bekannt. Jean Schaub aus Saargemünd hat ihn initiiert und mitgegründet.

Im Jahr 1996 fand besagter Jean Schaub auf dem Gelände des heutigen grenzüberschreitenden Kulturparks exakt auf der deutsch-französischen Grenzlinie diese kleine Hahnenfigur. Hähne und Hühner gibt es in Europa seit der Eisenzeit (= grob: dem Zeitalter der Kelten). Zunächst ging es nicht um die Eier, sondern um den prächtigen Hahn: Man machte Hahnenkämpfe und verschenkte Hähne und Hühner als Gast- oder Brautwerbegeschenk. Sie waren sowohl eine willkommene Ergänzung des Speiseplans als auch ein beliebtes Opfertier (der Hahn). Aus dieser Tradition heraus wurde dann die kleine Hahnenstatuette hergestellt.

Einige Monate nach Schaubs Fund wählten die Gründer des zunächst binationalen deutsch-französischen Vereins „Begegnungen auf der Grenze e.V.“ diesen kleinen Hahn als Logo. Der Maler Hans Dahlem erhielt den Auftrag, das Motiv gestalterisch umzusetzen, und ließ gleichzeitig eine limitierte Auflage drucken. Der Gründungsdirektor der Akademie, Arno Krause, erwarb das Original-Gemälde vom Verein „Begegnungen auf der Grenze“ für die Akademie.

Hans Dahlem (*1928 in Blieskastel, †2006 in Saarbrücken, beides Deutschland) war Maler, Grafiker und Objektkünstler und zudem mit Arno Krause befreundet. Er gehörte zu den Künstlern, die die saarländische Kunst in der Nachkriegszeit maßgeblich weiterentwickelt haben. In der Akademie stellte er zwei Mal aus: 1972 zeigte er seine Werke in einer Einzelausstellung und 1974 in einer Gemeinschaftsausstellung der Gruppe „Fisematenten“. Der Surrealismus prägte seine Arbeit, ebenso wie zeitweise der Kubismus. Als Leitmotiv seiner Werke wählte Dahlem häufig zeitgenössische Prosa und Poesie und ließ sich dabei insbesondere von seinem engen Freund Ludwig Harig, einem saarländischen Schriftsteller und Literaturübersetzer, inspirieren. Ebenso faszinierten ihn mythische oder auch rationale Erklärungen zur Entstehung der Welt (Kosmogonie) der verschiedenen Völker. Dieses Motiv bestimmte seit 1963 in schier unendlichen Variationen seine Arbeit.