Öl auf Leinwand, 400 x 200 cm
Keinen Künstler freut es, wenn man beim Betrachten seines Werkes zunächst an einen anderen denkt. Und doch ruft Flavio Scholles‘ Gemälde auf den ersten Blick eines der bekanntesten Werke der Welt in Erinnerung: „Guernica“ von Pablo Picasso (wobei Scholles damit kein Problem hat, sondern sich nach eigenem Bekunden künstlerisch an ihm orientiert). Die „Suche nach der Wurzel“ ist eine Auftragsarbeit der Europäischen Akademie Otzenhausen. Sie erfolgte, nachdem Flavio Scholles (*1950 in São José do Herval, Brasilien) 1996 hier die Ausstellung „Erzähl mir von Deiner Heimat“ gezeigt hatte.

Um welche Wurzeln geht es in seinem Gemälde? Zunächst einmal um die Wurzeln der Europäischen Union – einer Friedensidee. Ein Projekt, entstanden aus dem Grauen des Zweiten Weltkriegs, das Scholles so plastisch darstellt, dass es dem Besucher unter die Haut geht. Gewalt, Verbrechen, die zweite Katastrophe des 20. Jahrhunderts … aus der sich am oberen Bildrand ein Sternenkranz in Blau-Gelb erhebt (nach dem Motiv der Europafahne). Diese Idee der friedlichen Einigung der Völker Europas war auch 1954 der Grundgedanke für die Gründung der Europäischen Akademie Otzenhausen nicht einmal zehn Jahre nach dem Krieg als zunächst deutsch-französische Bildungs- und Begegnungsstätte für junge Menschen.

Mit Europa sucht Flavio Scholles auch seine eigenen Wurzeln. Vor vier Generationen wanderte Scholles‘ Familie wie so viele andere aus dem Hunsrück aus, um in Brasilien ein neues Leben zu beginnen. Seine Kindheit verbrachte er in ärmlichen Verhältnissen als jüngstes von elf Kindern. Er verlor seinen Vater, als er drei Jahre alt war. Mit neun Jahren erhielt er ein Stipendium. Dank dieser Unterstützung wurde aus dem mittellosen Jungen ein heute weltbekannter Maler, dessen Stil vom Expressiven über den Kubismus bis hin zum Konstruktivismus geht. Er beschreibt mit seinen Arbeiten die Kultur und Geschichte der europäischen Auswanderer auch aus dem Saarland, seiner „zweiten Heimat“. Dazu nutzt er Motive aus seiner „ersten Heimat“ Brasilien, wo er heute in seinem Geburtsort São José do Herval lebt und arbeitet.