Ölgemälde, 82 x 62 cm
"Mein Vater zeigte immer eine große Affinität zu anderen Künstlern. Künstler waren für ihn nicht nur "klassische" Künstler, sondern auch Kleinkünstler: Gaukler, Akrobaten, Kabarettisten usw. In seinen Darstellungen geht es nicht um einen Zirkus an sich, sondern um ein Lebensgefühl, um Erinnerungen. Auch Jahrmärkte und Kabarett haben ihn fasziniert, und er hat sich sehr zu all dem hingezogen gefühlt," erzählte Hans Bender, der Sohn des Malers, in einem Interview am 5. November 2019.

Wie in einem Kaleidoskop zeigt Bender die traditionellen Bestandteile eines Zirkusprogramms aus der Entstehungszeit dieses Bildes: den Artisten und Akrobaten, den Clown, Tierdressuren (u.a. Pferde und einen Seehund), ein Trapez und eine Manege.
Heutzutage gibt es rund 300 Zirkusunternehmen in Deutschland, die bekannt und beliebt sind. Ihr Programm beruht darauf, „eine Geschichte zu erzählen“ und ein Gesamtkunstwerk zu gestalten, in das die einzelnen Darbietungen eingebettet sind. Bereits 2005 hatte das Europäische Parlament einstimmig eine Entschließung angenommen, die den Rang des Zirkus‘ als europäisches Kulturgut bekräftigte. So sollte die Lebenssituation der Zirkus-Mitarbeiter verbessert werden. Ausgearbeitet und begründet hatte diesen Entwurf übrigens - und hier schließt sich der Kreis zur Akademie - die Europa-Abgeordnete Doris Pack (CDU), die lange Jahre den Gremien der Akademie angehört und ihre Entwicklung maßgeblich mitgestaltet hatte.

Adolf Bender (*1903 in Mainz, †1997 in St. Wendel, beides Deutschland) war Maler und ein ausgewiesener Demokrat aus der nahe gelegenen Kreisstadt St. Wendel. Mit der Europäischen Akademie Otzenhausen verbinden ihn nicht nur seine beiden Ausstellungen, die er 1962 - damals die dritte Ausstellung der Akademie - und 1985 („Die Moorsoldaten – Demokraten im KZ“) hier zeigte, sondern auch seine demokratischen Überzeugungen. Als politisch aktiver Gegner der Nationalsozialisten floh Bender nach Frankreich, wurde nach seiner Rückkehr in den Konzentrationslagern Börgermoor und Esterwegen interniert und schließlich 1941 in die Wehrmacht eingezogen. „Damit das nicht nochmal passiert“, so seine Aussage, kämpfte er nach dem Krieg mit Kunst und Bildung gegen den Faschismus. Bekannt ist sein „Moorsoldatenzyklus“, in dem er seine Erfahrungen im Börgermoor aufarbeitet. Das Adolf-Bender-Zentrum für Demokratie und Menschenrechte in St. Wendel arbeitet in seinem Sinne weiter.