Öl auf Leinwand, 140 x 190 cm
Rainer Fettings Werk umfasst zahlreiche Selbstporträts in unterschiedlichen Variationen ebenso wie facettenreiche Darstellungen seines Freundeskreises. Die oft ungewöhnlichen Darstellungsformen spiegeln Fettings Befindlichkeiten und sein Streben nach künstlerischer Freiheit. Fetting forderte seinerzeit den Kunstmarkt ebenso wie die Gesellschaft heraus: Seine neue, "wilde" Form der Malerei, seine Sujets und auch seine offen ausgelebte Homosexualität waren nicht unumstritten. So sehr ihn der Erfolg einerseits verwöhnte, so sehr kennzeichneten auch andererseits Unruhe, Widerstand gegen die Verhältnisse und zuweilen Entfremdungsgefühle sein Leben. Daher fühlte er sich historischen, in sich zerrissenen Malergrößen verbunden, in denen er sich wiederfand. Insbesondere Vincent van Gogh als genialer, seinerzeit verkannter und getriebener Künstler erscheint in verschiedenen seiner Werke, aber auch Paul Gaugin und, wie hier, Rembrandt. Rembrandt Harmenszoon van Rijn, so sein voller Name, war einer der bedeutendsten Maler des Barocks und bereits zu Lebzeiten gefeierter Künstler – der jedoch immer wieder unter finanziellen Problemen litt und in Armut starb. Fettings Identifikation mit Rembrandt ging so weit, dass er sich selbst als Rembrandt porträtierte – am Leninplatz in seiner Wahlheimat Berlin. Fetting und Rembrandt verschmelzen als Figuren noch stärker, indem Fetting Rembrandt nicht nur als eine andere Person in einer anderen Zeit, sondern auch an einem Ort auftreten lässt. Der Leninplatz existierte tatsächlich in Ost-Berlin; 1950 benannte die damalige Deutsche Demokratische Republik den Landsberger Platz in Leninplatz um. Seit 1992 heißt er Platz der Vereinten Nationen.
Rainer Fetting (*1949 in Wilhelmshaven, Deutschland) ist einer der bekanntesten Vertreter der Neuen Wilden. Er studierte von 1972 bis 1978 in Berlin und zeigte seine ersten Ausstellungen in der Galerie am Moritzplatz. Ein Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V.) brachte ihn 1978 nach New York, wo er zwischen 1983 und 1994 zeitweise lebte. Der Aufenthalt in beiden Metropolen – Berlin und New York – prägte ihn und seine Kunst zutiefst, so dass zahlreiche Werke Fettings das Leben in diesen Städten aufgreifen. Dabei thematisiert er insbesondere die Berliner Mauer bzw. die Randzonen New Yorks. Fetting wurde zu einem ebenso bekannten und begehrten wie rastlosen Künstler: Er zeigte fast jährlich in Europa und den USA in namhaften Galerien und Museen große Einzelausstellungen und nahm an zahllosen Gruppenausstellungen teil.
Fettings Werk ist expressiv und farbstark. Neben dem großstädtischen Leben malt er bevorzugt den männlichen Akt sowie, im Gegensatz dazu, Natur- und Landschaftsdarstellungen. Hinzu kommen Porträts und Figuren, Aquarelle, Papierarbeiten und Fotografien. Seit 1986 fertigt er ebenso erfolgreich Bronzeskulpturen an. Die monumentale Willy-Brandt-Statue im Willy-Brandt-Haus in Berlin ist eine seiner bekanntesten Plastiken – sie misst stolze 3,40 Meter und bringt mehr als 500 kg auf die Waage. Fetting lebt und arbeitet heute in Berlin und auf Sylt.