Öl und Sand auf Leinwand, 220 x 250 cm
Die Berliner Mauer – wie oft Fetting sie wohl abgebildet hat? Wie wohl kaum jemand vor oder nach ihm hat er dieses Bauwerk in seinen zeitgeschichtlichen und politischen, aber auch psychologischen Dimensionen in zahlreichen Varianten, Perspektiven und Farbgebungen interpretiert. Aus seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg (damals: West-Berlin) konnte er auf die Mauer am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße/Prinzenstraße schauen und war somit täglich mit dem Anblick der geteilten Stadt konfrontiert. Seine Art, sich mit der deutsch-deutschen Grenze auseinanderzusetzen, war damals neu, erregte viel Aufsehen und wurde manchmal als schockierend wahrgenommen. Das Nachtbild "Durchgang Berlin" zeigt die Mauer und ihr Umfeld als übermächtige, lebensfeindliche Betonwüste. Sie steht beispielhaft für die Dominanz, mit der sich dieses Bauwerk mit seinem Todesstreifen und den Sperren durch Fettings Mauer-Bilder zieht. Er reagierte damit auf die tägliche Ost-West-Konfrontation, die gerade in Berlin allgegenwärtig war.
Wie in Fettings Bildern war die Mauer auch in der allgemeinen Wahrnehmung ein markantes Symbol für die Teilung Deutschlands von 1949 bis 1990 sowie den Kalten Krieg mit der Spaltung Europas. Sie resultierten aus dem Zweiten Weltkrieg. Dort standen sich die Mitgliedsstaaten des Warschauer Pakts unter Federführung der damaligen Sowjetunion und der von den USA dominierten NATO nicht nur rein symbolisch gegenüber – auch wenn es nie zum "heißen Krieg" kam. Die Teilung Deutschlands in die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Europas allgemein war einer der Forschungsschwerpunkte des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts (SFI) an der Europäischen Akademie Otzenhausen. So befasste sich die Akademie aus erster Hand mit dem Thema, zu dem sie zahlreiche internationale Konferenzen organisierte und Bücher veröffentlichte.
Rainer Fetting (*1949 in Wilhelmshaven, Deutschland) ist einer der bekanntesten Vertreter der Neuen Wilden. Er studierte von 1972 bis 1978 in Berlin und zeigte seine ersten Ausstellungen in der Galerie am Moritzplatz. Ein Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V.) brachte ihn 1978 nach New York, wo er zwischen 1983 und 1994 zeitweise lebte. Der Aufenthalt in beiden Metropolen – Berlin und New York – prägte ihn und seine Kunst zutiefst, so dass zahlreiche Werke Fettings das Leben in diesen Städten aufgreifen. Dabei thematisiert er insbesondere die Berliner Mauer bzw. die Randzonen New Yorks. Fetting wurde zu einem ebenso bekannten und begehrten wie rastlosen Künstler: Er zeigte fast jährlich in Europa und den USA in namhaften Galerien und Museen große Einzelausstellungen und nahm an zahllosen Gruppenausstellungen teil.
Fettings Werk ist expressiv und farbstark. Neben dem großstädtischen Leben malt er bevorzugt den männlichen Akt sowie, im Gegensatz dazu, Natur- und Landschaftsdarstellungen. Hinzu kommen Porträts und Figuren, Aquarelle, Papierarbeiten und Fotografien. Seit 1986 fertigt er ebenso erfolgreich Bronzeskulpturen an. Die monumentale Willy-Brandt-Statue im Willy-Brandt-Haus in Berlin ist eine seiner bekanntesten Plastiken – sie misst stolze 3,40 Meter und bringt mehr als 500 kg auf die Waage. Fetting lebt und arbeitet heute in Berlin und auf Sylt.