Kunstharz, Jute, 145 x 180 cm
Berg Boden stammt aus der Serie „Jute Paintings“, die Koberling zwischen 1974 und 1982 anfertigte. Bereits in seiner vorangehenden Schaffensphase („Language and Landscape“, 1972 bis 1973) hatte er sich mit der Darstellung von Landschaften beschäftigt, die er nun - wie bei „Berg Boden“ - auf dem für ihn neuen Material Jute festhielt. Die Serie „Jute Paintings“ umfasst zwei unterschiedliche Motivkreise: einerseits Blüten und Knospen, andererseits geologische Themen wie Lavaformationen oder den Boden eines Berges („Bergboden“). Mitte der 1970er Jahre entstanden seine „Bergboden“- und „Sumpfloch“-Bilder, in denen er sich von der (seitlichen) Ansicht der Natur wegwendet zur Aufsicht (= Sicht auf die Dinge im Kleinen). Mit diesem Blickwechsel ist auch seine neue Tendenz verbunden, statt Landschaftspanoramen verstärkt Naturdetails zu interpretieren, die er in den 1990er Jahren fortsetzte.

Bernd Koberling (*1938 in Berlin, Deutschland) wuchs im Nachkriegs-Berlin auf. Dort und auf Island lebt und arbeitet er heute. Bernd Koberling lernte Koch und verdiente sich in seinen Anfangsjahren in der Gastronomie seinen Lebensunterhalt. Gleichzeitig verwirklichte er seinen Traum und studierte von 1958 bis 1960 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Gemeinsam mit anderen gründete er die neoexpressionistische Künstlergruppe „Vision“ und gehörte - wie Hödicke und Lüpertz (die ebenfalls in der Akademie gezeigt werden) - der ersten Künstlerselbsthilfegalerie Großgörschen 35 an. Diese Galerie war ein Experiment und eine der ersten Selbsthilfegalerien überhaupt, die Pate stand für weitere derartige Projekte. Die jungen Maler wollten ein Zeichen setzen gegen den starren etablierten Kunstbetrieb.

Bernd Koberling wurde rasch erfolgreich: Er lehrte Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und an der Hochschule der Künste in Berlin. Besonders bekannt wurde er in den 1980er Jahren als einer der „Väter“ der Neuen Wilden – leuchtende Farben auf großformatiger Leinwand, Malerei wie im Farbenrausch, wurden ihr Markenzeichen. Dies ist jedoch nur ein Teil seines umfassenden Gesamtwerks, das im Verlauf von über 60 Jahren entstand. Seine Kunst geht auf den Abstrakten Expressionismus zurück. Dabei arbeitete er in verschiedenen Phasen mit Bilderserien, an denen sich der Wandel in seiner Interpretation und Wahrnehmung seiner Motive ablesen lässt. Neben dem turbulenten Leben in der Stadt suchte er immer mehr Ruhe und unberührte Natur in Nordschweden, den Bergen Lapplands und auf Island, wo er rund 40 Jahre seines Lebens zeitweise verbrachte. Beide waren ihm gleichermaßen Ruhepunkt und Inspirationsquelle, so dass die Darstellung von Natur und Landschaft in ihren vielen Facetten zum Hauptthema seiner Werke werden sollte.