Die Fußballweltmeisterschaft in Russland ist vorüber, die Franzosen sind die glücklichen Gewinner und wir erlebten ein fröhliches, offenes und gastfreundliches Russland. Dennoch sind die Beziehungen zwischen Russland und der EU von Sanktionen und Gegensanktionen, Konflikt und Konfrontation geprägt.
Widersprüchlicher kann einem das Bild, was in unseren Köpfen entsteht gar nicht sein. Neben den immer noch andauernden und ungeklärten Konflikten auf der Krim und in der Ostukraine sind es unter anderem Meldungen wie die Verlängerungen der EU Sanktionen gegen Russland, die Kündigung Russlands aus dem INF-Abrüstungsvertrag, mehr als 50.000 Menschen bei Protesten in Moskau und ein hartes Durchgreifen der russischen Polizei, die das negative Bild unserer russischen Nachbarn schüren.

Keine Hoffnung auf Besserung? Doch, denn Russland kommt zurück in den Europarat!
Und, ist denn wirklich alles Putin?

Mit diesem deutsch-russischen Begegnungsseminar fördert die Europäische Akademie Otzenhausen seit nunmehr zehn Jahren das gegenseitige Verständnis unter den Teilnehmenden, für die unterschiedlichen Sichtweisen sowie die Situation im jeweils anderen Land. Hierbei werden vor allem Kennlernprozesse initiiert, Vertrauen und Freundschaften aufgebaut und vertieft, Vorurteile abgebaut, Gemeinsamkeiten und Unterschiede samt ihren Gründen vermittelt. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung von Werten. Bereits zum zweiten Mal waren in diesem Jahr auch Teilnehmende aus Belgien Teil der etwa 45köpfigen Gruppe. Auf dem Campus der Europäischen Akademie Otzenhausen arbeiten und leben sie fast zwei Wochen zusamme.

Im Rahmen gemeinsamer Workshops, Referate und vorlesungsähnlichen Präsentationen lernen die Teilnehmenden die EU sowieso die Beziehungen zu Russland kennen. Es werden Herausforderungen und Chancen diskutiert und besprochen. Gemeinsam besuchten die jungen Teilnehmenden die Gedenkstätte KZ Hinzert, das Europäische Parlament und den Europarat in Straßburg sowie das Museum in Schengen. Am Abend darf es dann auch gerne mal ein wenig informeller werden. Tanzen, Musik und Party stehen hier im Vordergrund. Was sind eigentlich die beliebtesten Chart-Hits in Russland? Welche traditionellen Tänze und Musik gibt es in Deutschland? Der Jugend- und Partyraum an der EAO bietet dafür die ideale Möglichkeit; auch, um sich außerhalb des Seminarraums über Themen zu unterhalten oder sich einfach nur besser kennenzulernen.

Besonders wurde es dann am 06. August, als im Rahmen des Seminars die 5. Saarbrücker Russland-Gespräche im Rathaus St. Johann in Saarbrücken durchgeführt wurden. Je zwei Teilnehmende aus Russland und Deutschland sowie die in Deutschland lehrende Professorin, Dr. Tatiana Zimenkova und der Autor, Journalist und Russland-Experte Boris Reitschuster sprachen über die Zukunft der Deutsch-Russischen Partnerschaft. Einig waren sich alle, auch das Publikum: es braucht den gegenseitigen Dialog. Von der obersten Ebene der Politik, über die Institutionen und hinein in die Gesellschaft.

Die Teilnehmer werden den Dialog weiterführen: Die Deutschen und Belgier fliegen Ende Februar 2020 für eine Woche nach St. Petersburg. Dort werden sie ihre neuen russischen Freunde wiedersehen, Vertreter der Zivilgesellschaft treffen und eine wundervolle Stadt kennenlernen. Die warme und herzliche Gastfreundschaft und die sich vertiefenden Freundschaften werden sicherlich über den kalten Winter und den eisigen Wind hinweghelfen.