Projektbeschreibung

Die Terroranschläge im Januar und November 2015 in Paris sowie der aktuelle massive Zustrom nach Europa von Schutzsuchenden aus Afrika und dem Mittleren Osten stellen die europäischen Gesellschaften vor neue Herausforderungen, was die Ausgestaltung eines friedlichen Zusammenlebens auf europäischem Boden angeht. Die Frage der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden in den europäischen Ländern weckt viele Ängste (Überforderung der vorhandenen Sozialsysteme, angenommene Gefahr der Islamisierung unserer Gesellschaften…), spaltet sowohl die politischen Klassen als auch die Gesellschaften Europas und wirft in fine die Frage auf: Welches Europa wollen wir und wie kann dabei die Integration neuer Bürger aus kulturell fremden Ländern erfolgen?

Auch in diesem Kontext ist die von einem Teil der Gesellschaft und der politischen Elite geforderte Rückkehr der „Etatsnations“ und der Anstieg rechts — wie linkspopulistischer bis — extremistischer Bewegungen zu verstehen, wie bspw. der AfD in Deutschland oder der Front National in Frankreich.

Im Fokus steht daher eindeutig die Infragestellung der gemeinsamen Werte Europas, die das gesellschaftliche Fundament bilden. Ausgehend von der politisch-gesellschaftlichen Zäsur, die das Jahr 2015 darstellt, ergeben sich folgende Fragen: Welche neuen Wertkonflikte entstehen durch die aktuellen politischen Entwicklungen?  Welche bestehenden Wertkonflikte werden neu besetzt bzw. verstärkt? Welche Werte sind zurzeit zentral für den Zusammenhalt in/zwischen unseren Gesellschaften? Wie werden diese Werte in den verschiedenen Religionen, die in den europäischen Gesellschaften koexistieren, verstanden und gelebt? Mit welchen Folgen für unsere Gesellschaften?

Basierend auf ihrer seit langem etablierten Kompetenz in der Wertevermittlung bei Jugendlichen und jungen Multiplikatoren möchte die Europäische Akademie Otzenhausen mit dem zweijährigen Projekt „Vivre ensemble, vivre en paix“ genau bei diesen Fragen ansetzen. Für eine Organisation wie die EAO, die durch ihren europapolitischen Bildungsauftrag die europäische Bürgerschaft fördert, ist das Erreichen und Einbeziehen der jüngeren Bürger ein Hauptanliegen. Auch im Hinblick auf das Projektthema ist die Fokussierung auf diese Zielgruppe sinnvoll.

Projektziele:
Das Projekt zielt darauf ab, die oben genannten Leitfragen in einem ersten Schritt multiperspektivisch (aus politischer, kultureller, religiöser, zivilgesellschaftlicher Hinsicht) mit jungen, in der (internationalen) Jugendarbeit engagierten Multiplikatoren zu behandeln. Hauptanliegen der EAO ist dabei, Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Religion und dadurch mit unterschiedlichen Wertevorstellungen zu bauen. In einem zweiten Schritt soll auf der Grundlage der Ergebnisse der ersten Phase ein „Tool-Kit du vivre ensemble“ in digitaler Form von den jungen Multiplikatoren erstellt werden. Dieses Tool-Kit soll a) zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Jugendlichen im Rahmen von internationalen Begegnungen anregen und b) die dafür notwendigen methodischen Grundlagen liefern (in Form von Modulen). Um den Zugang  zur Thematik in den unterschiedlichsten Formen von internationalen Begegnungen sicherstellen zu können, wird überwiegend auf erlebnispädagogische Methoden zurückgegriffen. Der verfolgte Ansatz kombiniert daher kognitive und emotionale Zugänge.  Dieses Tool-Kit soll in französischer, deutscher und englischer Sprache zur Verfügung gestellt werden.

Projektpartner und –teilnehmer:
Das Projekt richtet sich in erster Linie an junge Multiplikatoren der internationalen Jugendarbeit aus der Grenzregion Saarland-ACAL-Luxemburg. Aufgrund des unabdingbar multiperspektivischen Ansatzes des Projektes werden Organisationen angesprochen, die in einem multikulturellen bzw. konfessionellen Kontext arbeiten und über ein eigenes Netzwerk an lokalen Partnern verfügen und dadurch eine Ausstrahlung in die jeweiligen Gesellschaften sicherstellen (Bsp.: Pfadfinderorganisation aller Konfessionen, AISA – Association Internationale Soufie Alâwiyya, Jugendverbände aus dem DFJW-Netzwerk…).

Projektdauer: 2 Jahre

Team

Stéphanie Bruel, Ressortleiterin
Studium: Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft an der Universität Paris X-Nanterre
Kontakt: 0049 6873 662-443, bruel(at)eao-otzenhausen.de

Sophia Rickert
Projektkoordinatorin
Freie Mitarbeiterin für das Projekt
„Vivre ensemble, vivre en paix“
vivre.ensemble(at)eao-otzenhausen.de

Kontakt:
Europäische Akademie Otzenhausen gGmbH
Stéphanie Bruel
Europahausstraße 35
66620 Nonnweiler
Tel.: 0049 6873 662-443
Fax: 0049 6873 662-350
eMail: bruel(at)eao-otzenhausen.de